Offener Brief für Windenergie im Renninger Wald
Ein gemeinsames Statement aus Politik, Naturschutz und Bürgerschaft
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
In der Gemeinderatssitzung am 20.10.2025 hat der Gemeinderat einstimmig den Bau des Windparks Renningen beschlossen. Wir – der Arbeitskreis Lokaler Klimaschutz der Renninger Agenda und alle
Unterzeichnenden – sprechen uns geschlossen für den Bau der geplanten Windräder im Renninger Wald aus.
Unser gemeinsames Anliegen ist der Schutz unserer Heimat und die Bewahrung unserer Natur. Genau dafür müssen wir jetzt Verantwortung übernehmen: Die Veränderungen unseres Klimas stellen eine
ernsthafte Bedrohung für unser Naturerbe dar. Dürre, Hitze und Schädlingsbefall sind heute schon bittere Realität in unseren heimischen Wäldern. Diese existenzielle Herausforderung für eines
unserer wichtigsten Güter wiegt ungleich schwerer als die Debatte um einzelne Windenergieanlagen. Ein durchdachter Klimaschutz ist unerlässlich, um die Grundlagen unserer Natur zu sichern.
Dass der Windpark auf der Gemarkung Renningen im Hardtwald entstehen soll, ist das Ergebnis eines Abwägungsprozesses, bei dem die von der Region festgelegten Windvorranggebiete und die
Abstandsregeln von der Besiedlung eine große Rolle gespielt haben. Die Aufstellung im Hardtwald ist ein Kompromiss, der durch angemessene und wirkungsvolle Ausgleichsmaßnahmen für unseren Wald
begleitet werden muss.
Wichtig für die Bewahrung unseres Wohlstands: Windkraft stärkt unseren Wirtschaftsstandort im internationalen Wettbewerb mit sehr günstigem Strom. Sie bringt zudem wichtige Einnahmen für
Renningen (ein hoher sechsstelliger Betrag jährlich), die der Bürgerschaft zugutekommen. Zusätzlich ist eine finanzielle Bürgerbeteiligung fester Bestandteil des Projekts.
Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, die ökologischen Herausforderungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und belastbarer Fakten zu meistern. Längst widerlegte Behauptungen – wie die
unbegründeten Bedenken zum Infraschall – sind Ablenkungsmanöver. Eine sachliche, ergebnisorientierte Diskussion, die den Schutz von Natur und Wirtschaft gleichermaßen ernst nimmt, ist wichtig für
zukunftsfähige Entscheidungen im Sinne unserer Stadt.
Eine umfassende Faktensammlung finden Sie in der beigefügten Anlage.
Setzen wir gemeinsam ein Zeichen verantwortungsvollen, gemeinschaftlichen Handelns für uns und für kommende Generationen und unterstützen den Windpark Renningen.
Mit zuversichtlichen Grüßen
Nur jeder fünfte Baum im
deutschen Wald ist gesund:
Der Waldzustandsbericht der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald belegt die Klimaerwärmung als Hauptursache.
Rationalität und Fakten für eine verantwortungsvolle Bewertung von Windkraft aus der Sicht des Naturschutzes
Windkraft FAQ des Bund für Naturschutz
Standortsicherung: Deutschlands Wirtschaft fördern und eigenen Strom günstiger machen: Studie des ISE Frauenhofer Institutes über Stromerzeugungskosten zeigen: Der günstigste Strom kommt in unserer Heimat von Wind und Sonne.
Wir dürfen uns im globalen Wettbewerb mit China nicht durch das Ignorieren günstiger Energiequellen abhängen lassen. Datenbank „Our world in data“ der Universität Oxford
Eigentumsschutz durch Prävention: Die finanzielle Realität anerkennen: Fakten der Münchner Rückversicherung zu den steigenden Extremwetterkosten in Deutschland
Ordnung sichern: Wohlstand und Stabilität innerhalb natürlicher Grenzen bewahren:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Wachsende planetare Risiken
Der päpstliche Auftrag zur Schöpfungsbewahrung:
Enzyklika LAUDATO SI’ von Papst Franziskus:
Das Klima als gemeinsames Gut (Absatz 23ff)
Wir vom NABU Renningen-Malmsheim sehen den Ausbau von erneuerbaren Energien als wichtigen Bestandteil des Klimaschutzes, welcher wiederum dazu beiträgt, die Artenvielfalt zu erhalten. Hierbei ist es wichtig, den Ausbau von erneuerbaren Energien anhand naturverträglicher Lösungen umzusetzen. Der Ausbau von Windkraftanlagen ist hierbei ein wichtiger Bestandteil.
Für einen naturverträglichen Ausbau ist der jeweils gewählte Standort entscheidend. Für eine naturverträgliches Lösungskonzept an dem betroffenen Standort sind sowohl der Flächeneingriff als auch Konflikte mit dem Artenschutz zu berücksichtigen und zu minimieren. Ökologisch hochwertige oder besonders sensible Gebiete sind hierbei grundsätzlich als Standort auszuschließen.
Im Falle des Windparks Renningen, dessen Konzept in der Gemeinderatssitzung am 20.10.2025 einstimmig vom Gemeinderat beschlossen und bei der Infomesse am 17.11.2025 näher vorgestellt wurde, stellen sich nach aktuellem Stand der Flächeneingriff sowie mögliche Konflikte mit dem Artenschutz wie folgt dar:
Flächeneingriff
Da sich die für den Windpark Renningen geplanten Windkraftanlagen im Wald befinden, lässt sich ein Flächeneingriff durch Roden vereinzelter Flächen nicht gänzlich vermeiden. Aufgrund der signifikant höheren CO2-Einsparung durch den Betrieb einer Windkraftanlage im Vergleich zur CO2-Aufnahme der vom Flächeneingriff betroffenen Waldfläche ist der Flächeneingriff bezüglich des Klimaschutzes als nicht relevant zu betrachten. Hinsichtlich des Naturschutzes ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei der Standortwahl der Windkraftanlage und der hierfür zu rodenden Fläche ökologisch wertvolle Flächen auszuschließen sind. Der nicht vermeidbare Flächeneingriff ist wiederum mit entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen zu kompensieren, um so eine naturverträgliche Umsetzung sicherzustellen. Laut der Stadtverwaltung sollen die Standorte überwiegend auf weniger wertvollen Waldstandorten gebaut werden (jüngere Waldbestände, Fichtenschonungen usw.). Die endgültigen Standorte stehen aber noch nicht sicher fest.
Artenschutz
Im Rahmen der Regionalplanung Windenergie wurden anhand des Fachbeitrags Artenschutz Schwerpunktvorkommen windenergiesensibler Arten untersucht und hieraus naturschutzfachlich sehr hochwertige (Kategorie A) bzw. hochwertige (Kategorie B) Bereiche für windenergiesensible Arten abgeleitet. Im Vorranggebiet BB-29, in welchem die Windkraftanlagen des Windparks Renningen geplant sind, befindet sich kein solch sensibler Bereich. Aufgrund dessen ist eine naturverträgliche Umsetzung bezüglich des Artenschutzes in diesem Gebiet als möglich zu betrachten. Da in diesem Gebiet zwar keine Schwerpunktvorkommen jedoch verschiedene windkraftsensible Vogel- und Fledermausarten vorkommen, ist es für die naturverträgliche Umsetzung jedoch wichtig, mögliche Konflikte mit diesen Arten zu reduzieren. Hierbei gibt es verschiedene Lösungsansätze über Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Antikollisionssysteme, Abschaltung der Anlage während besonders hoher Aktivität der betroffenen Arten oder Anlage von attraktiven Ausweichhabitaten. Diese sind individuell abhängig vom Standort festzulegen. Die Ergebnisse der noch ausstehenden Artenschutzprüfung bieten hierfür die erforderliche Grundlage, um Maßnahmen im Detail standortspezifisch ausarbeiten und beurteilen zu können.
Um ein naturverträgliches Konzept des Windparks Renningen sicherzustellen, setzen wir uns bezüglich des Flächeneingriffs als auch des Artenschutzes dafür ein, die geplanten Standorte der Windkraftanlagen entsprechend auf standortspezifische Konfliktpotentiale zu analysieren und anschließend Maßnahmen zu deren Reduzierung, zur Minimierung der Eingriffe in die Natur sowie zur Kompensation unvermeidlicher Eingriffe in die Natur abzuleiten. Wir begrüßen die Aussage der Stadtverwaltung, dass die geplanten Standorte überwiegend auf weniger wertvollen Waldstandorten gebaut werden sollen und dass Artenschutzprüfungen bezüglich der geplanten Standorte bereits gestartet sind.
Wir werden uns weiterhin bei der Stadt Renningen für eine möglichst naturverträgliche Lösung einsetzen.