Große Brennnessel

Urtica dioica -  Nesselgewächse/Urticaceae

Brennnesselblüte NABU/ H.May
Brennnesselblüte NABU/ H.May

Die Brennnessel ist eine der weltweit verbreitesten, meistgeschmähten und verkannten Speise- und Heilpflanzen: Sie hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich! Jedes Kind erkennt sie blind und jeder Erwachsene erinnert sich an schmerzhafte juckende Pusteln beim Wald- und Wiesenpirschen. Betroffene Hautpartien sofort mit dem Saft von Wegerichblättern benetzen verschafft Linderung).

So bewehrt die ausdauernde Staude mit ihren Brennhaaren am vierkantigen Stängel, der Blattunterseite und sogar den Samenrispen ist, so zäh die bis zu 2 m hohe “Saunessel” jeglichen Ausrottungsversuchen ordnungsliebender ZiergärtnerInnen trotzt, so wertvoll ist sie als Lebensraum und Nahrungspflanze.

 

Raupen des Tagpfauenauges NABU/ Sonja Esser
Raupen des Tagpfauenauges NABU/ Sonja Esser

Unter anderem hängen zahlreiche Schmetterlingsarten zur Eiablage von ihr ab, etwa das Tagpfauenauge und der Distelfalter. Auch strotzt sie vor gesundheitlichen Wohltaten für Mensch und Tier: Als eine von wenigen Pflanzen enthält sie viel für den menschlichen Organismus gut verwertbares Eiweiß. Darüber hinaus bietet sie Eisen, dreimal mehr Vitamin C als Grünkohl, sowie viele essentielle organisch gebundene Mineralstoffe wie Kalium.

 

Die Große Brennnessel blüht etwa von Juli bis Oktober. Sie ist zweihäusig, es gibt also ganz männliche und ganz weibliche Pflanzen. Man kann die Samen ca. Mitte August bis Oktober, also jetzt!, mit Gartenhandschuhen und Rebschere am oberen Stängelteil behutsam ernten, z. B. aufgehängt oder locker ausgebreitet vollständig trocknen, anschließend rebeln und als heimisches Superfood aufbewahren. Ein Pesto lässt sich leicht daraus herstellen. Eine aphrodisierende Wirkung wird ihnen ebenfalls zugeschrieben.

 

Das Grün nutzt man eher in der ersten Jahreshälfte, vor allem das obere Drittel der Triebe. Die Blätter sind erwartbar deutlich schneller gar als die Stiele und zarter. Brennnesselgrün kann wie Spinat zubereitet werden oder als Suppeneinlage dienen. Allgemein bekannt ist ihre gesundheitsfördernde Wirkung (meist getrocknet) in Tees. Wegen der starken, auch entwässernden Wirkung sollte man nicht längerfristig große Mengen zu sich nehmen.

 

Die Brennnessel eignet sich optimal für eine (Frühjahrs-)Entgiftungs- und Basenkur. Man nutzt sie seit vielen Jahrhunderten als Kraftfutter in der Tierzucht, speziell für Pferde, aber auch für Küken. Brennnesseljauche leistet beim biologischen Gärtnern wertvolle Dienste als Dünger, gegen Läuse und zur Kräftigung der Pflanzen.

 

Schon vor Jahrtausenden und bis zur Einführung der Baumwolle in Europa wurde aus den Pflanzenfasern Nesseltuch als Textil gewonnen – seit den 90er Jahren erstarkt das Interesse an dieser heimischen Alternative wieder.

 

Als nährstoffliebende Stickstoffzeigerin wächst die widerstandsfähige Pflanze mit den gegenständigen gezähnten Blättern gern an Komposthäufen und Klohäuschen, überdüngten Wiesen- und Feldrändern, entlang von Waldwegen und Bächen.

 

Sie pflanzt sich überwiegend durch kriechende Ausläufer, aber auch geschlechtlich durch Samen fort.

 

 

Christine Berg, Fachberaterin für Essbare Wildpflanzen

und Streuobstpädagogin

 

 

Quellen: Wildpflanzen zum Genießen von Frau und Herrn Lüder,

Essbare Wildpflanzen Weiterbildung Dr. Markus Strauß 2017 Schulungsunterlagen

 

 

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